Der Weg in die schrankenlose Zukunft: Stadt geht in Vorleistung

Neustadt – Für die Bahn sind sie ein Sicherheitsrisiko, für viele Neustädter Verkehrsteilnehmer ein Dauerärgernis: Die Rede ist von den höhengleichen Bahnübergängen im Neustädter Land.
Bereits jetzt sind die Schranken im Stadtgebiet täglich bis zu 14 Stunden geschlossen. Und diese Zeitspanne dürfte sich in Zukunft noch erhöhen, schließlich sollen im Rahmen des Großvorhabens „Alpha-E“ bald auch über den hiesigen Abschnitt der Bahnstrecke deutlich mehr Züge rollen und Güter aus dem Norden in Richtung Süden transportieren. Die Stadtverwaltung arbeitet nicht zuletzt aus diesem Grund bereits seit einiger Zeit daran, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf den Weg in eine schrankenlose Zukunft zu machen.

In diesem Zusammenhang war Bürgermeister Uwe Sternbeck nun gemeinsam mit dem städtischen Fachbereichsleiter Infrastruktur, Jörg Homeier, und Christoph Neißner vom städtischen Fachdienst Tiefbau zu Gast im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, um in Hannover mit der zuständigen Ministeriumsmitarbeiterin über Möglichkeiten zur Beseitigung der höhengleichen Bahnübergänge zu sprechen. „Im Gespräch ist deutlich geworden, dass Neustadt nicht oft genug darauf hinweisen kann, dass wir von Einschränkungen durch den überörtlichen Bahnverkehr besonders betroffen sind.“, sagt das Stadtoberhaupt rückblickend. „Fast keine andere Stadt hat sieben höhengleiche Bahnkreuzungen, davon viele im Bereich der Kernstadt. Und nur selten sind andernorts Schranken circa 14 Stunden am Tag geschlossen.“

Schon jetzt rollen täglich fast 300 Züge durch die Siedlungsgebiete von Borstel, Eilvese, Empede, Neustadt und Poggenhagen – Tendenz steigend. Sternbeck nimmt mit Blick auf diese Situation die Beteiligten in die Pflicht: „Bahn und Bund müssen dringend etwas tun, damit diese prekären Verkehrsverhältnisse besser werden“, sagt er. Denn eines ist klar: Ohne dieUnterstützung und das Zutun übergeordneter Behörden und der Bahn wird die Aufhebung der aktuell sieben höhengleichen Bahnübergänge im Stadtgebiet ein Wunschdenken bleiben – aus eigener Kraft und mit den eigenen finanziellen Möglichkeiten sind solche arbeits- und zeitintensiven sowie kostspieligen Projekte nicht umsetzbar.

Der Bürgermeister hat im Gespräch im Ministerium aber auch deutlich gemacht, dass die Stadtverwaltung nach wie vor bereit ist, die Aufhebungsprojekte für die Bahnübergänge im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen und sogar in Vorleistung zu gehen. „Durch eigene Vorbereitungen und Planungsaktivitäten will die Stadt dabei helfen, das große Ziel zu erreichen“, sagt Sternbeck. Bei einigen Bahnübergängen sind die Planungen in den zurückliegenden Monaten, nicht zuletzt durch das Zutun der Stadt, bereits weit fortgeschritten.

Eine Übersicht

Poggenhagen
Die beiden höhengleichen Bahnübergänge an der Fliegerstraße/Bahnhofsstraße (Kreisstraße 336) und an der Moordorfer Straße (Bundesstraße 442) sollen voraussichtlich durch ein neues
Brückenbauwerk ersetzt werden. Ein zusätzlicher Fußgänger- und Radfahrertrog im Zuge der Fliegerstraße/Bahnhofsstraße ist vorgesehen. Die das Projekt begleitende Planungsgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Stadt Neustadt, der Region Hannover, der DB Netz AG, Vertretern des Landes Niedersachsen und der Planungsgesellschaft Sweco, wird zum Ende des Jahres 2018 die Vorzugsvariante mit Kostenschätzung und den Entwurf einer Kreuzungsvereinbarung mit Kostenaufteilung abgeschlossen haben. Das Planfeststellungsverfahren ist für 2019 vorgesehen. Die Ausführungsplanung und EU-weite Ausschreibung sind für 2020 terminiert. Die bauliche Umsetzung soll ab 2021 erfolgen.

Siemensstraße, Kernstadt
Der Verwaltungsausschuss der Stadt Neustadt hat den Fachdienst Tiefbau damit beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zur Aufhebung des höhengleichen Bahnüberganges Siemensstraße zu erstellen. Die Siemensstraße ist eine Gemeindestraße, zuständiger Straßenbaulastträger ist die Stadt. Die Arbeiten an der Machbarkeitsstudie laufen bereits. Nienburger Straße, Kernstadt
Der höhengleiche Bahnübergang Nienburger Straße (B442) ist aufgrund der beengten Platzverhältnisse und der direkt anschließenden Wohnbebauung aus technischer Sicht schwer aufzuheben. Weder ein Brücken-, noch ein Trogbauwerk ist hier ohne großräumigen Eingriff in die Wohnbebauung möglich.

Himmelreich
Der höhengleiche Bahnübergang Himmelreich (Landesstraße 192) könnte im Zuge des Neubaus der Anschlussstelle B442/L192/ B6 durch ein zusätzliches Brückenbauwerk über die Gleisanlage der DB aufgehoben werden. Hierzu gibt es bereits Gespräche mit der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) und der DB Netz AG mit dem Ziel, eine gemeinsame Planungsvereinbarung zu entwerfen.

Eilvese
Der höhengleiche Bahnübergang Eilvese (Landesstraße 360) könnte aufgrund eines vorhandenen Trogbauwerkes und der nicht weit entfernten Anschlussstelle Himmelreich ersatzlos aufgegeben werden. Zu berücksichtigen wären hier lediglich die Bahnkunden am Haltepunkt Eilvese. Für diese muss gewährleistet werden, dass sie auch weiterhin die Bahnsteige in beide Fahrtrichtungen fußläufig erreichen können. Dies könnte z.B. durch Verschiebung des Haltepunktes an das vorhandene Trogbauwerk erreicht werden.

Rüthebach, Borstel
Der höhengleiche Bahnübergang Rüthebach verbindet zwei Wirtschaftswege des Realverbandes Borstel. Es laufen bereits Gespräche zwischen Stadt, DB und Realverband.

NCN/jh